Zauber gebundener Zeit

Limited Edition: LAMY dialog urushi

Urushi ist ein Material voller Gegensätze. Der natürliche Lack, der im ostasiatischen Kunsthandwerk seit Jahrtausenden verwendet wird, fasziniert mit außerordentlichem Glanz und einzigartiger Farbtiefe, die durch das Auftragen unzähliger, hauchdünner Schichten entsteht. Die auf 33 Sets limitierte Edition LAMY dialog urushi fängt die Faszination dieses charaktervollen Materials in einer einzigartigen Tetralogie ein.

Jedes der 33 Set enthält vier kostbar veredelte Füllhalter – vier Interpretationen des Füllhalters LAMY dialog 3. Leitmotiv der Edition LAMY dialog urushi ist ein Sujet, das so überzeitlich wie universell ist: die vier Jahreszeiten mit ihrem jeweils individuellen Temperament. Frühling, Sommer, Herbst und Winter als Sinnbild für den ewigen Kreislauf des Lebens.

Verfügbar ab Ende 2019

Faszination Urushi

Der japanische Begriff „Urushi“ bezeichnet gleichermaßen das Material – oft auch Japanlack oder Chinalack genannt –, wie auch die Technik, mit der es verarbeitet und aufgetragen wird. Im ostasiatischen Raum, insbesondere Japan, China und Korea, hat Urushi eine jahrtausendealte Tradition, und wird bis heute als kulturelles Erbe gepflegt. Das Material ist äußerst kostbar, da die Gewinnung des Naturrohstoffs – es handelt sich um den Baumsaft des ostasiatischen Lackbaums – nur von Hand und in sehr kleinen Mengen möglich ist.

Traditionell werden insbesondere exklusive Alltagsgegenstände mit Urushi veredelt, etwa Schalen, Teller, Essstäbchen oder Schatullen, wobei der Lack gleichermaßen schützende wie repräsentative Funktion einnimmt. Trägermaterialien sind üblicherweise Holz, Bambus und Metall, aber auch Textilien und Leder können damit beschichtet werden.

Der Aufbau eines Lackobjekts erstreckt sich über lange Zeiträume, oft über Jahre oder gar Generationen hinweg: Mehrere Grundierungsschichten werden gefolgt von einer Vielzahl hauchdünner Lackschichten, von denen eine jede aushärten muss und anschließend poliert wird. Nach der Aushärtung, die durch Luftfeuchtigkeit ausgelöst wird, ist Urushi quasi „unzerstörbar“. In der japanischen Mythologie wird das Material deshalb auch mit Unsterblichkeit in Verbindung gebracht und gilt als Lebenselixier.

Entworfen und künstlerisch umgesetzt wurde die Edition von den Urushi-Meistern Norihiko Ogura aus Japan (Sommer) und Manfred Schmid aus Deutschland (Frühling, Herbst und Winter). Urushi als traditionsreiches Kunsthandwerk und Material wird dabei neu interpretiert: durch die innovative Kombination mit dem Werkstoff Edelstahl sowie Verarbeitungsweisen, die die beteiligten Künstler eigens entwickelt und auf dem Füllhalter LAMY dialog 3 erstmals zur Anwendung gebracht haben. 

LAMY dialog urushi – die vier Jahreszeiten

Meine Faszination für Urushi begann mit dem Schwarzlack. Es ist das tiefste Schwarz, das man weltweit erzeugen kann.

Schwarzer Urushi-Lack erzeugt das tiefste Schwarz, das man weltweit kennt. Es entsteht nicht durch Pigmente, sondern durch Beimischung von Eisenstaub, der eine Oxidation des Lacks bewirkt und anschließend wieder herausgefiltert wird. Fein aufgetragen, erscheint Schwarzlack zunächst durchscheinend. Erst durch Schichtung entfaltet er die Farbintensität und Tiefe, die für Oberflächen in Urushi so charakteristisch ist.

Die Japaner sagen: Man kommt nicht zum Urushi, sondern Urushi kommt zu einem.

Für den Frühling hat Urushi-Meister Manfred Schmid den Schwarzlack nicht auf diese klassische Weise verarbeitet, sondern eine neue, originäre Technik entwickelt. Auf den Edelstahlkorpus, der mit hellblauem Niob beschichtet ist, wird eine hauchdünne Schicht des Schwarzlacks aufgetragen, sodass das darunter liegende Blau hindurch schimmert. Durch Alkohol, den der Künstler anschließend mit einem feinen Pinsel auf den Schwarzlack sprenkelt, bricht dessen Oberflächenspannung. Es entsteht eine komplexe Struktur voll subtiler Reflexe, die nicht wiederholbar ist.

Man kann Urushi nicht dominieren. Es ist ein unglaublich charaktervolles Material, auf das man auch ein Stückweit hören muss.

Der Sommer wurde von dem Japaner Norihiko Ogura in einer speziellen Variante der sogenannten Goldstreutechnik (Maki-e) gestaltet. Die gesamte Lackoberfläche wird dabei mit einem speziellen Goldpulver bestreut, das aus runden Kügelchen feinsten Grades besteht – ein Korn misst im Durchmesser etwa 0,03 mm. Anschließend wird die Fläche mit Holzkohle aus Kamelienholz geschliffen. Ein Arbeitsschritt, der die immense Perfektion und Präzision des Urushi-Meisters verdeutlicht: Beim Schleifen werden die Körner im Goldpulver genau auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Größe reduziert. Durch Aufbringen und Schleifen eines weiteren Goldpulvers, dessen Körner minimal größer sind, wird eine stromlinienförmig verlaufende Maserung auf der Fläche erzeugt.
Im täglichen Gebrauch werden diese Linien durch Hautkontakt „poliert“ und gewinnen an Glanz. Auch die unteren Lackschichten werden sichtbar.
So unterliegt der Füllhalter einem konstanten, lebendigen Veränderungsprozess.

Die Idee für den Herbst kam mir durch Zufall. Ich würde heute sagen, das war eine Eingebung.

Auch für den Herbst wählte Manfred Schmid einen eigenständigen Umgang mit Urushi. Während der Lack klassischerweise nur in den Farben Schwarz und Rot verarbeitet wird, setzte Manfred Schmid bei diesem Modell den so genannten Transparentlack ein. Typischerweise nur als Versiegelung und nicht im Dekor verwendet, entfaltet dieser naturbelassene Urushi-Lack Schicht um Schicht einen warmen Bernsteinton. Manfred Schmid trägt ihn auf einen Edelstahlkorpus mit goldener PVD-Beschichtung auf, in den zuvor durch Längs- und Querschleifen eine feine Textur eingebracht wurde. Die so erzeugte Struktur leuchtet später aus der Tiefe durch den Lack hindurch. Grund und Oberfläche durchdringen sich.

Der Winter entspricht in der Verarbeitungsweise dem Modell „Frühling“.

Ich gehe in Resonanz mit dem Material. Ich höre und fühle mehr, als dass ich sehe. Es ist eine Art Eindringen in die Oberfläche, die ich mir innerlich vorstelle.

Manfred Schmid

Manfred Schmid

Von 1998 bis 2004 erlernte und perfektionierte der gelernte Kunsttischler die japanische Lackkunst an der Escola Massana sowie an der Escola Llotja in Barcelona. 2004 zog es ihn zurück in seine Heimatstadt Bremen, wo er seine Kunst seitdem ausübt. In seinem Atelier hat er den Umgang mit der Urushi-Technik weiterentwickelt. Nach Jahrzehnten intensivster Auseinandersetzung mit Schwarzlack sucht Manfred Schmid heute vor allem neue, teils experimentelle Wege, die besonderen Qualitäten des Materials zur Geltung zu bringen.

Vielfach ausgezeichnet, waren die künstlerischen Arbeiten von Manfred Schmid bereits in zahlreichen internationalen Ausstellungen zu sehen und wurden in öffentliche Sammlungen aufgenommen – etwa der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, des Grassi Museums in Leipzig sowie des Museums für Lackkunst Münster.

Norihiko Ogura

Norihiko Ogura ist Urushi-Meister und zugleich langjähriger Professor und Direktor des Instituts für Lackkunst an der Universität der Künste Tokio. Die Lackkunst erlernte er als Assistent von Yoshikuni Taguchi, einem ehemaligen Schüler des Urushi-Meisters Gonroku Matsuda, dessen Werke seit 1955 zum lebendigen Kulturerbe Japans zählen.

Die Lackarbeiten von Norihiko Ogura haben nahezu jeden renommierten Preis erhalten – unter anderem die Purple Rose des japanischen Kaisers, die ihm 2011 zuerkannt wurde. Seine Werke wurden in vielen internationalen Ausstellungen präsentiert und sind Sammlungsbestand zahlreicher Museen, darunter das Victoria & Albert Museum, das National Museum Tokyo sowie das Argentina Museum for Modern Art.