Zwei Grundschullehrer berichten aus ihrem Klassenzimmer. – Ohne Hilfslinien, ohne Netz und doppelten Boden, ohne Schnörkel.
Blätter fallen
Herbst ist zurzeit immer noch unser großes Thema. So bin ich letzte Woche mit den Kindern zu Beginn einer Stunde in den Hof gegangen und habe Herbstblätter gesammelt. Im Klassenzimmer haben wir dann die Blätter begutachtet, in Farben geschwelgt und die Bewegung der Blätter beobachtet, wenn sie herunterfallen. Ausnahmsweise durften sich die Kinder dazu auf den Tisch stellen, was sie natürlich ganz toll fanden, und von weiter oben die Blätter heruntersegeln lassen. „Sucht euch mal ein Plätzchen im Saal und probiert mit euren Armen und Händen aus, wie die Blätter heruntergefallen sind!“ forderte ich die Kinder auf. Es war interessant den Kindern zuzuschauen. Manche beschrieben mit dem ganzen Körper die Bewegungen. Einige drehten sich im Kreis. Es gab Kinder, die „flatterten“ mit den Händen, andere benutzen nur die Finger. Im Stuhlkreis versammelt, durfte jeder seine gefundene Bewegung noch einmal vorführen. Gemeinsam versuchten wir, ein passendes Tunwort zu diesen Bewegungen zu finden. Ich hatte mir im Vorfeld große Streifen Tonpapier und einen dicken Stift gerichtet und schrieb die Vorschläge auf: Die Blätter segeln, die Blätter schweben, die Blätter hüpfen, ……… Als ich am Schluss alle Streifen an der Tafel angeheftet hatte und wir noch einmal alle Sätze gelesen hatten, sagte ein Mädchen: „Ich hätte nicht gedacht, dass die Blätter so viel können!“
Es regnet weiter
Der Regen hatte uns gepackt. Nicht nur theoretisch im Unterricht, sondern inzwischen auch real. Es regnet schon wieder seit ein paar Tagen.
So sammelten wir fleißig weiter Wörter. Wir wollten damit Plakate gestalten. Ich teilte die Kinder in Gruppen ein und gab jeder Gruppe einen Auftrag:
- Schreibt auf das Plakat die Tunwörter (es nieselt, es schüttet, es platscht ….) und malt jeweils darunter wie das aussieht (Striche, Tropfen etc.)
- Malt auf das Plakat in die Mitte Regen (in Form von vielen Tropfen) und malt außen herum die Dinge, mit denen man das Wort Regen verbinden kann z.B. einen Schirm für Regenschirm etc.
- Schreibt eine Regengeschichte, vielleicht habt ihr schon mal selbst eine erlebt
- Lest noch mal die Geschichte von Florino und schreibt die Regenklänge auf, die der Junge gefunden hat und auch die Klänge, die wir noch gefunden haben und malt dazu.
- Sucht in den Gedichtbüchern (hatte ich zur Verfügung gestellt) ein schönes Regengedicht und schreibt es auf das Plakat und gestaltet es.
Die Kinder machten sich eifrig an die Arbeit. Leider war die Stunde diesmal schneller zu Ende als wir gedacht hatten und so mussten wir das Fertigstellen der Plakate auf den nächsten Tag verschieben.
Noch mehr Regengeräusche
Das Thema Regen ließ uns auch am nächsten Tag nicht los, obwohl es da nicht mehr regnete. Neben der geplanten „Regenmusik“ kam mir die Idee, mit den Kindern nach Ausdrücken und Redewendungen über den Regen zu suchen.
„Gestern hat es ja ganz furchtbar geregnet“, fing ich an. „Ja“, meinte ein Junge, „es hat so geschüttet, dass ich ganz nass nach Hause gekommen bin.“ Ganz in meinem Sinne, dachte ich und schrieb an: Regen als Überschrift, darunter: Es schüttet. „Überlegt mal weiter!“ forderte ich die Kinder auf. Nach ein paar Geschichtchen zum Nasswerden kam dann auch: „Es tröpfelt, es nieselt, es schüttet wie aus Eimern, es ist nass, wir brauchen einen Regenschirm, wenn der Regen aufhört, gibt es einen Regenbogen, ein Junge brachte sogar einen ganz tollen Ausdruck zu Gehör: es regnet Bindfäden mit anschließender Erklärung“…….. Ich schrieb fleißig an der Tafel mit. „Was ist nieseln?“ fragte mich plötzlich ein türkisches Mädchen. „Macht mal mit den Fingern vor, wie sich das anhört!“ ermunterte ich die übrigen Kinder. Und schon begann ein Gepolter mit den Fingern auf den Tischen. „Das ist viel zu laut!“ meldete sich ein Mädchen. „Nieseln geht viel leiser. Da kommen doch nur ganz dünne Tropfen herunter.“ Und sie machte es vor. „Dann wollen wir es jetzt mal alle nieseln lassen“, forderte ich die Klasse auf. Nacheinander machten wir mit den Fingern noch alle anderen möglichen Regengeräusche. Das was ich mit den Wörtern noch vorhatte, verschoben wir auf den nächsten Tag.
Regengeräusche
Letzten Mittwoch regnete es bei uns wie aus Kübeln. Toll! dachte ich ausnahmsweise heute einmal, genau das richtige Wetter für das Bilderbuch „Florino, der Regentropfenfänger“ von Barbara Haupt und Tomek Bogacki und dazu den Lesetext in unserem Leseheftchen mit dem gleichnamigen Titel (Ausschnitt aus dem Bilderbuch), den ich schon seit einiger Zeit im Visier hatte. Als es zur großen Pause klingelte, aber das Zeichen für Regenpause kam, ging ich mit den Kindern trotzdem hinaus. Ich wollte die Gelegenheit nutzen, bevor wir uns dem Text im Leseheftchen zuwandten, mit den Kindern ebenso den Regengeräuschen zu lauschen wie der Florino in der Geschichte. Da bei uns einige Teile des Schulhauses überdacht sind, konnten wir hören ohne nass zu werden. Ich ermahnte die Kinder noch einmal, nicht in den Regen zu laufen, sondern still stehen zu bleiben und zu hören. Einige postierte ich direkt unter das Vordach, einige in die Nähe eines Abflusses, einige unter einen nahen Baum, einige da wo der Regen auf das Pflaster prasselte, einige in die Nähe einer großen Pfütze, die da schon entstanden war, einige unter das Brückchen mit Glasdach, das zum anderen Gebäude hinüberführt. Wir wollten hören, wie macht der Regen. Selbst meine Unruhegeister standen diesmal für ein paar Minuten still und lauschten.
Im Klassenzimmer angelangt, wollte jeder seine Geräusche gleich von sich geben. „Nacheinander“, sagte ich. „Lasst hören!“ Es kamen von glucker, glucker, über ping, ping, platsch, dong, dong, auch tschschsch, gurgelgurgel, blubblubb und andere Geräusche. Herrlich! „Ich kenn einen Jungen, der hat auch Regengeräusche gesammelt“, fing ich an. „Soll ich euch mal seine Geschichte vorlesen?“ Und ich zog das Bilderbuch aus meiner Tasche. „Das sind ja auch solche Geräusche, wie wir gefunden haben“, bemerkte ein Mädchen, als ich das Buch vorgelesen und –gezeigt hatte.
Am nächsten Tag wollten wir die Geschichte noch einmal in unserem Leseheftchen anschauen und – was die Kinder mit Hurra begrüßten – in den Musikraum gehen und die Geräusche mit Instrumenten spielen.
Herbstwand
Zum Thema Farben passt in hervorragender Weise auch das Thema Herbst. Über die Farben fanden wir dann auch einen Zugang, in dem wir von unseren Farbblättern, die wir vor einiger Zeit gemalt hatten, diejenigen aussortierten und zusammenstellten, die zum Herbst passten. Wir beschrifteten sie: z.B. Goldgelb, orangerot, rotbraun, dottergelb, nussbraun etc. und klebten sie auf ein großes Papier, das wir an die Wand hefteten (Herbstwand).
Für den nächsten Tag konnten die Kinder Sachen mitbringen, die man jetzt findet, bzw. die zum Herbst gehörten: Kastanien, Eicheln, Äpfel, Birnen, Kürbisse, bunte Blätter, Nüsse etc. Auf einem Ausstellungstisch sammelten wir die Dinge und beschrifteten sie mit kleinen Kärtchen, die wir dazu stellten. Dann forderte ich die Kinder auf, sich zu zweit oder zu dritt zusammen zu setzen und aufzuschreiben (in Sätzen), was noch so alles vom Herbst wissen, z.B. auch von den Dingen, die wir bis jetzt gesammelt hatten.
Nach zehn Minuten hörte ich mir einige Sätze an: „Im Herbst werden die Blätter bunt. Und da fallen sie von den Bäumen. Im Herbst gibt es auch Nebel. Vorgestern hatten wir es ganz dick. Im Herbst ist es auch kälter. Es gibt auch Esskastanien. Aus den Kürbissen macht meine Mama immer eine Kürbissuppe. Etc.“ Das war prima. Wir beschlossen, diese Sätze auf große Streifen zu schreiben und sie auch an unsere Herbstwand zu pinnen, zu den Herbstfarben und den mitgebrachten Sachen.


Den Ansatz, fächerübergreifend das Thema “Frühling” in Form eines entdeckenden Unterrichtes zu behan...