Schreiben mit Murmel
Es gibt in meiner Klasse einige Kinder, die beim Schreiben der Buchstaben und Worte einen so festen Druck mit dem Bleistift auf den Untergrund ausüben, dass man den Abdruck noch seitenweise durchspürt. Bei einem Mädchen ist mir das extrem aufgefallen. Radieren ist bei ihr ausgeschlossen, es bleiben stets Spuren des zuletzt geschriebenen, was ein Überschreiben unleserlich macht.
In den letzten beiden Tagen habe ich Angela zum Schreiben eine Murmel in die Hand gedrückt. Mit kleinem Finger, Ring- und Mittelfinger der Schreibhand sollte sie die Murmel ganz festhalten, mit Zeigefinger und Daumen den Bleistift führen und schreiben. Ich hoffte, dass sich damit der Druck eher auf die Murmel konzentrierte als auf den Bleistift (hat mir vor einiger Zeit mal eine Mutter verraten). Und tatsächlich! Angela schrieb heute bei mir am Pult. So konnte ich sie gut beim Schreiben beobachten. Fest presste sie die Kugel in ihre kleine Handfläche, damit sie ja nicht herausrutschte und - „vergaß“ ganz, die Wörter mit dem Bleistift „einzugravieren“. Zusammen überprüften wir nach dem Schreiben, ob auf der nächsten und übernächsten Seite noch etwas zu fühlen war. Lächelnd blickte mich Angela an und sagte: „Auf der Rückseite merke ich noch was, aber auf der übernächsten Seite nicht mehr!“ Auf die Frage, ob sie sich am nächsten Tag beim Schreiben die Murmel bei mir wieder abholen wolle, antwortete sie: „Natürlich!“


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