Die Frage, ob Produktdesign aus einer eigenen Abteilung kommen solle oder als kreative Dienstleistung von außen, hat sich für Lamy nie gestellt.
Schon das erste Schreibgerät der neuen Lamy Design-Ära entstand in der Zusammenarbeit mit einem "Freien". Es war Gerd A. Müller, ein Mann aus dem Urgestein des Bauhauses geschnitzt und nicht zuletzt deshalb von Lamy dazu ausersehen, die Initialzündung für den neuen Designstil zu geben und ihn über Jahre mitzuprägen.
Die guten Erfahrungen mit dieser Art der Zusammenarbeit, vor allem der inspirierende Dialog zwischen "freischaffendem Geist" und den intern mit Designfragen befassten Mitarbeitern, führte schon in den Siebzigerjahren zur Ausweitung der Kooperation auf andere Produktdesigner und Designstudios.
Gerd A. Müller
Gerd A. Müller, geboren 1932, studierte an der Werkkunstschule Wiesbaden und war danach von 1955 bis 1960 als Designer bei der Braun AG in Kronberg tätig. Hier gestaltete er einige der bekanntesten Braun Produkte in den Bereichen Haushaltsgeräte und Rasierer.
Seit 1991 ist Gerd A. Müller nicht mehr unter uns. Doch seine Werke leben weiter.
Er zeichnete für diese Lamy Modellfamilien verantwortlich:
LAMY 2000
LAMY cp1
LAMY st
LAMY unic
Wolfgang Fabian
Wolfgang Fabian, geboren 1943, machte eine Ausbildung zum Goldschmied, bevor er sein Industrie Design Studium aufnahm.
Zusammen mit seinem Team Fabian Industrie-Design entwickelt er seit 1981 formale und technische Lösungen für Gebrauchs- und Investitionsgüter.
Von Fabian Industrie-Design entworfene Produkte erhielten international viele Auszeichnungen.
Wolfgang Fabian ist verantwortlicher Designer der folgenden Lamy Modellfamilien:
LAMY agenda
LAMY AL-star
LAMY logo
LAMY pickup
LAMY safari
LAMY spirit
LAMY swift
LAMY tipo
Andreas Haug
Andreas Haug, geboren 1946 in Heidenheim, studierte nach einer kaufmännisch-technischen Lehre bei Daimler-Benz von 1968 bis 1972 Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart.
1972 wurde er der erste Mitarbeiter von Esslinger–Design. Von 1982 bis 1984 war er geschäftsführender Gesellschafter von Hartmut Esslingers frogdesign, wo er 1984 zum Design Consultant und Vice President Design berufen wurde.
1987 gründete er zusammen mit Tom Schönherr Phoenix Product Design.
Er wurde für seine Arbeiten mit zahlreichen internationalen Designpreisen ausgezeichnet.
Phoenix Product Design entwickelte folgende Lamy Modellfamilien:
LAMY accent
LAMY 4pen
LAMY smile
LAMY nexx
LAMY nexx M
Franco Clivio
Franco Clivio, geb. 1942 in Schulen in der Schweiz, studierte an der Ulmer Hochschule für Gestaltung.
Nach erfolgreichem Abschluss war er u.a. für die Firmen Erco, FSB, Gardena, Rodenstock und Siemens gestalterisch tätig.
Herr Clivio lehrt als Dozent Produktgestaltung an der Università IUAV di Venezia. Dazu unterhielt er verschiedene Gastprofessuren in den USA, Deutschland und Finnland sowie lehrte an der Hochschule für Gestaltung in Zürich.
Für seine gestalteten Produkte erhielt er eine Vielzahl internationaler Auszeichnungen.
Herr Clivio entwarf für Lamy die Modellfamilie LAMY pico und Drehfüllhalter LAMY dialog 3.
Hannes Wettstein
Hannes Wettstein, geboren 1958 in Ascona, Schweiz, arbeitete in den Bereichen Formgebung, Corporate Design, Raumgestaltung und Architektur.
In den 1990er-Jahren war er Gastdozent an Akademien und Schulen in Amsterdam, Hannover, Basel und Mailand sowie Dozent an der ETH Zürich. Von 1994 bis 2001 war er Professor an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.
Sein Studio kultiviert und inszeniert seitdem Marken und schafft das Umfeld für einen erfolgreichen Markenauftritt. Studio Hannes Wettstein ist in zahlreichen Kontexten aktiv, die Grundwerte sind dabei Philosophie, Ethik, Ästhetik, Ökonomie, Ökologie, Präzision und Realismus. Zum Netzwerk des Studios gehören Fachleute aus allen Disziplinen der Gestaltung.
Seit 2008 ist Herr Wettstein nicht mehr unter uns. Doch seine Werke leben weiter.
Für Lamy gestaltete er die Modellfamilien LAMY scribble und LAMY studio.
Richard Sapper
Seine Karriere als Designer startete er gleich ganz oben: bei Mercedes Benz. Zugleich aber ganz bescheiden: mit der Gestaltung des Außenspiegels für den legendären 300 SL Roadster.
Heute ist Richard Sapper längst zur herausragenden Gestalt unter den international maßgeblichen Produktgestaltern geworden. Der Münchner ging nach Mailand und fand in Italiens Industrie gleichgesinnte Partner für seine intelligenten Entwürfe, die deutsche Präzision und Sachlichkeit mit romanischer Leichtigkeit und Raffinesse vereinen.
Beispiele für die Denk- und Arbeitsweise Sappers sind die grazile Tischleuchte Tizio, das IBM think pad, der melodiös flötende Wasserkessel von Alessi, zahlreiche Möbel, Uhren, Küchengeräte und vieles andere mehr.
Für Lamy gestaltete er das Kugelschreibermodell LAMY dialog 1.
Knud Holscher
Schon kurz nach Beendigung seines Architekturstudiums in den 1950er-Jahren gewann der 1930 in Rødby geborene Däne seine ersten Architektenwettbewerbe. Und heute ist die Liste seiner preisgekrönten Bauten ebenso lang wie die seiner vielfach ausgezeichneten Designentwürfe.
Die Türgriffe, Geländer- und Garderobensysteme der weltweit erfolgreichen d line-Kollektion oder etwa das Strahlerprogramm Quinta von Erco sind formschöne Beispiele für den eleganten, minimalistischen Stil, mit dem Knud Holscher die ästhetischen und praktischen Anliegen eines Produkts in ein harmonisches Gleichgewicht bringt.
Nach Lehraufträgen und Partnerschaften mit Arne Jacobsen, Alan Tye und dem bekannten dänischen Architekturbüro Krohn & Hartvig Rasmussen arbeitet der große skandinavische Gestalter seit 1995 im eigenen Unternehmen in Kopenhagen.
Hier entwarf er für Lamy den Tintenroller LAMY dialog 2 sowie die Modellfamilie LAMY pur.
Naoto Fukasawa
Als der 1956 geborene Japaner mit 47 Jahren sein eigenes Designbüro in Tokio gründete, waren seine reduzierten, spielerisch leichten Entwürfe wie etwa der CD-Player für MUJI bereits Welterfolge und sein Ruf als herausragender Vertreter des supernormalen Designs längst gefestigt.
Für die von ihm ebenfalls ins Leben gerufene Marke "±0", die vor allem Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte auf den Markt bringt, aber auch für immer mehr europäische Hersteller wie Artemide, B&B Italia und Driade entwirft Naoto Fukasawa heute Produkte, die zunächst durch ihre bestechende Einfachheit ins Auge fallen, um dann mit ihrer durchdachten Funktion zu beeindrucken.
Mehr als 60 internationale Designpreise, ein Beratervertrag mit MUJI sowie Professuren an der Musashino Art University in Kodaira und der Tama Art University in Tokio sind die Anerkennung für seine im Wortsinn besondere Sicht der Dinge.
Für Lamy gestaltete Naoto Fukasawa die Modellreihe LAMY noto.
EOOS
Kennengelernt haben sich Gernot Bohmann, Harald Gründl und Martin Bergmann an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst. Und seit 1995 gestalten sie gemeinsam unter dem Namen EOOS Flagship-Stores für Armani, Trinkgläser für Alessi, Strahler für Zumtobel oder etwa Sitzmöbel für Walter Knoll.
Über 60 internationale Designpreise haben die jungen Querdenker inzwischen mit ihren unkonventionellen Ideen gewonnen. Darunter den renommierten Compasso d'Oro für das von Matteograssi produzierte Sitzprogramm "Cube" und den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland in Gold für die mobile Werkstattküche "b2" von Bulthaup.
"Poetische Analyse" heißt dabei die von ihnen entwickelte Betrachtungsweise, nach der im Wiener EOOS-Studio gradlinige, klare Entwürfe entstehen, die auf den ersten Blick verständlich und sympathisch sind.
Die Schreibgerätereihe LAMY econ ist dafür ein überzeugendes Beispiel.
